IMG_4461Dieses Lied begleitet mich durch mein Leben. Ich weiß nicht, wann ich es das erste Mal gesungen oder gehört habe, vermutlich zu meiner Zeit als Vorkonfirmandin im Rahmen des Konfirmationsunterrichtes. Sicher habe ich es auch später mit meinen Freunden und Freundinnen aus der katholischen Kirchengemeinde gesungen. Ganz sicher aber dann später auf so gut wie jeder Beerdigung der ich beigewohnt habe.
Der Text hat etwas tröstendes. Ich habe bei den einzelnen Strophen eigentlich noch nie so wirklich hingehört. Der Refrain reicht schon, um mir die Tränen in die Augen schießen zu lassen. Die Melodie finde ich wunderschön. Das Lied berührt mich und zwar immer wieder.
NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer hat dieses Lied 1944 geschrieben als er in Haft saß und mit seiner Hinrichtung rechnen musste. Er fühlte seine Lieben allgegenwärtig und sich damit nicht allein. Offensichtlich ein Mann, der in seinen letzten Tagen sein persönliches Unheil auf sich zukommen sieht und dennoch dankbar ist.

4024bcdc-86b7-463d-8e41-6184beb06d7cNun bin ich nicht religiös, aber an eine ‚gute Macht’ glaube ich auch – ob es nun Engel, das Universum oder was auch immer sind. Es ist nicht immer leicht, das volle Vertrauen in das Gute zu haben und nicht immer fühlt man sich tatsächlich geborgen und beschützt. Das Lied soll bei einer Beisetzung den Hinterbliebenen bestimmt Trost spenden und vielleicht auch den Glauben erhalten, dass wir uns irgendwann alle irgendwo wieder begegnen – das ist es auch, was ich mir wünsche und ich versuche, fest daran zu glauben.

Meine persönlichen ‚guten Mächte’-IMG_4288 dazu gehören sicher auch alle verlorenen Menschen, deren Seelen irgendwo über mich und andere wachen. Aus Trauer wird Geborgenheit, aus Geborgenheit wird Trost. Aus Trost wird die Kraft geboren, wieder an sich selbst zu glauben und sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, Vertrauen in sich selbst zu haben und sein Leben selbst zu bestimmen. Das große Abenteuer Leben – ganz ohne ‚gute Mächte’ geht das nicht!

 

 

1. Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

2. Noch will das Alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

3. Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

4. Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

5. Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

6. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

7. Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Textfassung des Evangelischen Gesangbuchs